Ein Verein für Menschen, die es leid sind, in Kommunikationssilos zu sitzen und so zu tun, als wäre das normal.
„Chatter ohne Grenzen“ ist ein gemeinnütziger Verein für interoperable Kommunikation. Er betreibt eine eigene Instanz von Polychat auf Basis von Matrix — nicht als Produkt, sondern als gemeinsame, offene Infrastruktur zum Ausprobieren und Mitgestalten. Kein Startup, kein Exit, kein Kundensupport. Polychat ist Vereinsinfrastruktur, und du bestimmst mit, wie sie funktioniert.
Kennst du das?
Du warst in einem neuen Yoga-Kurs, alle total entspannt nach dem Shavasana, und dann: „Lass uns doch connecten.“ Handys raus — und die Entspannung ist weg, weil sich niemand auf einen Messenger einigen kann. Der eine WhatsApp, die andere „auf keinen Fall meine Daten zu Meta“, der Dritte nur Signal, und eine Person macht prinzipiell nur XMPP. Dasselbe passiert in der Elterngruppe oder im Familienchat.
Dass es so ist, ist kein technisches Schicksal. Es ist eine Entwurfsentscheidung — getroffen von wenigen Gatekeepern, für die geschlossene Netze ein Geschäftsmodell sind.
Bei der Post schreiben wir nicht je nach Zusteller eine andere Adresse. Wir telefonieren, ohne zu wissen oder uns drum zu scheren, ob die Gegenseite bei O2 oder Telekom ist. Es gibt keine Straßen nur für Mercedes. Nur bei Messengern akzeptieren wir, dass wir nur mit Leuten reden dürfen, die zufällig dieselbe App installiert haben. Warum eigentlich?
Weil diese Dienste uns kein Produkt verkaufen. Sie verdienen an Reichweite — an unserem eigenen Netzwerk, an unserem Adressbuch. Und dass wir nur nach innen reden können, verkaufen sie uns als Feature — dabei ist es der Zaun.
Und der Punkt ist nicht, dass sich alle auf eine App einigen sollen. Menschen wählen ihren Messenger aus gutem Grund — Datenschutz, Sicherheit, oder einfach, weil ihre Leute dort sind. Interoperabilität heißt: Diese Wahl darf bleiben — und schneidet dich trotzdem nicht mehr von den anderen ab.
„Aber der Digital Markets Act regelt das doch“
Nur so halb. Der DMA zwingt die großen Gatekeeper — im Klartext WhatsApp und Facebook Messenger — sich interoperabel zu machen, wenn ein kleinerer Anbieter danach fragt. Das Gesetz wurde geschrieben, um ein Monopol aufzubrechen, nicht um dir Kommunikationsfreiheit zu geben.
Und man sieht, was dabei herauskommt: Interoperabilität nur als Opt-in, das du erst in den Einstellungen aktivieren musst — externe Kontakte landen in einem separaten Bereich, und um mitzumachen muss man sich bei Meta bewerben. Das ist eine Zweiklassengesellschaft — „diese komischen Typen von woanders, die musst du erst reinlassen“. Signal und Threema haben derweil angekündigt, gar nicht erst anzufragen, weil ihre Leute genau nicht wollen, dass ihre Daten bei Meta landen.
Die Lektion: Das Gesetz bringt uns die Freiheit nicht. Die Werkzeuge müssen wir selbst bauen. Genau dafür gibt es diesen Verein.
Mehr als Bequemlichkeit
Im Privaten ist fehlende Interoperabilität unbequem. Im sozialen Raum — Schule, Verein, Familie, Meetup — wird sie ausgrenzend: Wer den „falschen“ Messenger hat, ist raus. Und gesellschaftlich ist sie gefährlich, weil sie Gemeinschaften in getrennte Blasen zementiert, die einander nicht mehr zuhören.
Deshalb ist Interoperabilität kein technischer Edgecase. Es geht um ein Grundrecht — mit wem ich reden darf — und um soziale Infrastruktur. Digitale Kommunikation sollte allen gleichermaßen offenstehen, so selbstverständlich wie Post, Telefon und E-Mail.
Was Polychat anders macht
Polychat lässt dich erleben, wie sich echte Interoperabilität anfühlt, statt sie nur zu fordern:
- Du brauchst keinen Account im anderen Netzwerk. Du kannst mit Leuten auf WhatsApp schreiben, ohne selbst je bei WhatsApp zu sein. Andere Brücken-Lösungen binden dich weiterhin an Konten in jedem einzelnen Netzwerk — Polychat nicht. Das ist echte Wahlfreiheit: ein Netzwerk verlassen können und trotzdem die erreichen, die geblieben sind.
- Wir holen Menschen dort ab, wo sie stehen. Kein „installier doch bitte eine neue App“. Jede*r bleibt im Messenger, den sie ohnehin nutzt — Polychat ist ein Dienst im Hintergrund, keine weitere App.
- Alle sind gleichwertig. Keine Zweiklassengesellschaft, kein Innen und Außen, kein „die von woanders“. Das Ursprungsnetzwerk einer Nachricht ist schlicht irrelevant.
- Kontextuelle Identität. In der Yoga-Gruppe bist du die Yoga-Queen, im Elternchat „Mikos Mama“. Weitergegeben wird dein Nick — nicht deine Nutzerdaten. Kontakt außerhalb der Gruppe bleibt unmöglich, die eigene Privatsphäre ist geschützt — besonders wertvoll für Ehrenamtliche und Care-Worker.
Ehrlich zum Stand der Dinge: Polychat ist (noch) ein Prototyp, kein Produkt mit Verfügbarkeitszusage. Brücken zwischen geschlossenen Netzen sind ein Workaround, kein Fundament — sie funktionieren, solange Polychat klein genug ist, um den großen Plattformen nicht aufzufallen; ändert eine ihre Schnittstelle, kann die Brücke brechen. Dazu ringen sie mit unterschiedlicher Semantik und tragen keine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über Netzgrenzen — die kann es gar nicht geben, solange die Plattformen unterschiedliche Verschlüsselungsstandards nutzen. Es ist ein Moving Target und braucht dauerhafte Pflege. Wer einen Kanal braucht, auf den im Ernstfall Verlass sein muss — Feuerwehr, Redaktion, Krisenstab —, ist hier falsch. Wer erleben und mitgestalten will, wie interoperable Kommunikation wirklich funktioniert, ist genau richtig.
Warum ein Verein — und was du davon hast
Der Verein ist größer als Polychat. Es geht um interoperable Kommunikation überhaupt — Polychat ist unser erstes gemeinsames Projekt, der Ort, an dem wir zeigen, dass es geht. Und eine gute Idee nützt nichts, wenn sie niemand weiterentwickelt: Interoperabilität baut niemand allein, sie lebt davon, dass viele mitmachen. Genau dafür ist der Verein da.
- Mitentscheiden, nicht nur mitnutzen. Als Mitglied bringst du Featurerequests ein, priorisierst mit und setzt — wenn du willst — selbst mit um.
- Alles offen. Polychat ist quelloffen: Code, Betrieb, Entscheidungen — und wofür deine Mitgliedsbeiträge verwendet werden. Transparent und nachvollziehbar.
- Gemeinsam getragen. Kein Anbieter, der liefert, und Kund*innen, die konsumieren — wir gestalten und tragen das zusammen.
Put Your Money Where Your Mouth Is
Wir erheben einen Mitgliedsbeitrag von 10 € im Monat. Er finanziert unter anderem Betrieb und Weiterentwicklung des Prototyps — offen und transparent. Sobald der Verein als gemeinnützig anerkannt ist, wird er steuerlich absetzbar sein.
Du zahlst nicht für einen Chat-Dienst. Du trägst zu einer gemeinsamen Infrastruktur und zu einer Sache bei.
Wir müssen gar nicht beweisen, dass Interoperabilität eine gute Idee ist — wir wollen zeigen, dass und wie sie möglich ist. Ich komme aus Design und Marketing; ich kenne das Handwerk, Bedürfnisse zu wecken. Ausgerechnet das setze ich hier für offene Kommunikation ein: Wenn Menschen einmal erleben, wie es ist, ohne Rücksicht auf die App der anderen zu reden, entsteht ein echtes Bedürfnis. Und ein Bedürfnis, das viele teilen, wird irgendwann zu attraktiv, um es zu ignorieren. So verschiebt sich ein Markt — nicht durch Appelle, sondern durch Nachfrage. Und irgendwann fordert diese Nachfrage auch einheitliche Verschlüsselungsstandards.
Für wen IST das ?
Für dich, wenn du …
- dich fragst, warum die großen Netze eigentlich nicht miteinander reden — und ahnst, dass die Antwort keine technische ist,
- findest, dass es nicht von der App der anderen abhängen sollte, wen du erreichst,
- es nicht hinnimmst, dass dir jemand dein eigenes Netzwerk als Produkt verkauft,
- lieber selbst ausprobierst, als auf eine fertige Lösung zu warten,
- etwas mitbauen willst, das dir mitgehört.
Mach mit
Wir suchen nicht nur Mitglieder, sondern Mittäter*innen:
- Menschen, die auch unperfekte Software nutzen und ausprobieren — und uns sagen, wo es hakt.
- Programmierer*innen, die Lust haben, ehrliche Probleme an einem Moving Target zu lösen.
- Menschen, die sich auf einen ungleichen Kampf einlassen — alle, die glauben, dass man es mit den Großen aufnehmen kann, wenn man zusammenhält. Todernst in der Sache, mit Haltung und Humor.
„Die Visionen, die wir heute umsetzen, werden zur Normalität künftiger Generationen.“
→ Werde Mitglied. Erleben. Mitbauen. Zeigen, dass es geht.